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Sidi ist Ende 1968 aus der Schule geflogen, wegen Drogen, Unruhestiftung und schlechten Noten. Erst recht hat er danach alles ausprobiert. Er machte Musik und wohnte in einer versifften WG, die angeberisch eine Kommune sein wollte. Sidi nannte sich damals auch gerne Fitzlibutzli, nach dem Blut verspritzenden, gefiederten aztekischen Sonnengott Huitzilopochtli. Er bildete sich ein, er wisse alles über Drogen, weil er in der Zentralbibliothek einige Bücher über Drogen und originale Hexenhammer-Rezepte gelesen hatte. Rund um ihn herum gab es die ersten Heroin-Fixer; sie sind heute alle tot. Um nicht total die Bodenhaftung zu verlieren, schloss Sidi die Matur im Selbststudium ab. Und weil ihn das Gehirn allein schon wegen den Drogen immer sehr interessiert hatte, begann er irgendwann mit dem Medizinstudium.
 

Sidi ist Ende 1968 aus der Schule geflogen, wegen Drogen, Unruhestiftung und schlechten Noten. Erst recht hat er danach alles ausprobiert. Er machte Musik und wohnte in einer versifften WG, die angeberisch eine Kommune sein wollte. Sidi nannte sich damals auch gerne Fitzlibutzli, nach dem Blut verspritzenden, gefiederten aztekischen Sonnengott Huitzilopochtli. Er bildete sich ein, er wisse alles über Drogen, weil er in der Zentralbibliothek einige Bücher über Drogen und originale Hexenhammer-Rezepte gelesen hatte. Rund um ihn herum gab es die ersten Heroin-Fixer; sie sind heute alle tot. Um nicht total die Bodenhaftung zu verlieren, schloss Sidi die Matur im Selbststudium ab. Und weil ihn das Gehirn allein schon wegen den Drogen immer sehr interessiert hatte, begann er irgendwann mit dem Medizinstudium.
 

Als Sidi für das Staatsexamen büffelte, stand seine Wohnung jedem offen. Üse war der Freund von Evi, der Freundin seiner jüngsten Schwester, die damals bei ihm wohnte. Eines Abends sass Sidi vor dem TV und schaute die Abendnachrichten. Üse lag im flimmernden Dunkel neben ihm auf der Matratze. Plötzlich merkte Sidi, dass Üse nicht nur nichts mehr sagte, sondern auch nicht mehr atmete. Sidi machte Licht. Üse war ganz blau. Sidi reanimierte ihn nach allen Regeln der Kunst, die ganze bange Zeit in Gedanken an die Blick-Schlagzeile: ‚Fixer tot, Arzt sass einfach daneben‘. Soweit kam es nicht. Als Üse im Spital lag, beschimpfte Sidi ihn so lange, bis er wieder richtig wach war. Dieses Arschloch hatte gedacht, er könne sich so viel Dope auf einmal reinknallen, wie er nur will - Sidi sass ja neben ihm und würde ihn schon retten. Soweit man weiss, starb Üse erst zehn Jahre später, an Aids. Und Sidi sollte sein Medizinstudium bald nach jenem Abend erfolgreich abschliessen.

 

Sidi, das bin ich. Vierzig Jahre lang war ich als Arzt in der Stadt Zürich tätig. Fast die Hälfte aller Heroinabhängigen in der Stadt waren mindestens einmal in meiner ärztlichen Sprechstunde, etwa dreieinhalbtausend müssen es gewesen sein. Einige sah ich während vieler Jahre immer wieder, viele nannten mich: Sidi...

 
Meine merkwürdige Geschichte wird am Samstag 11.11.2017 in Das Magazin als Beilage des Zürcher Tagesanzeigers erscheinen. Lesen Sie bitte dort weiter
oder lesen Sie einige andere Stücke auf  SidiHarMeschi.ch