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Als Sidi für das Staatsexamen büffelte, stand seine Wohnung jedem offen. Üse war der Freund von Evi, der Freundin seiner jüngsten Schwester, die damals bei ihm wohnte. Eines Abends sass Sidi vor dem TV und schaute die Abendnachrichten. Üse lag im flimmernden Dunkel neben ihm auf der Matratze. Plötzlich merkte Sidi, dass Üse nicht nur nichts mehr sagte, sondern auch nicht mehr atmete. Sidi machte Licht. Üse war ganz blau. Sidi reanimierte ihn nach allen Regeln der Kunst, die ganze bange Zeit in Gedanken an die Blick-Schlagzeile: ‚Fixer tot, Arzt sass einfach daneben‘. Soweit kam es nicht. Als Üse im Spital lag, beschimpfte Sidi ihn so lange, bis er wieder richtig wach war. Dieses Arschloch hatte gedacht, er könne sich so viel Dope auf einmal reinknallen, wie er nur will - Sidi sass ja neben ihm und würde ihn schon retten. Soweit man weiss, starb Üse erst zehn Jahre später, an Aids. Und Sidi sollte sein Medizinstudium bald nach jenem Abend erfolgreich abschliessen.

Sidi, das bin ich. Vierzig Jahre lang war ich als Arzt in der Stadt Zürich tätig. Fast die Hälfte aller Heroinabhängigen in der Stadt waren mindestens einmal in meiner ärztlichen Sprechstunde, etwa dreieinhalbtausend müssen es gewesen sein. Einige sah ich während vieler Jahre immer wieder, viele nannten mich: Sidi...

Meine merkwürdige Geschichte wird in den nächsten Wochen in Das Magazin (Tagesanzeiger) erscheinen. Lesen Sie mehr auf meinem Blog: www.sidiharmeschi.ch