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Risiken und Folgen

In der Schweiz hat die Sterblichkeit durch illegalen Drogenkonsum Mitte der 1990-er Jahre ihren Höhepunkt überschritten. Für das Jahr 1994 wurden 750 bis 1'000 Todesfälle als direkte oder indirekte Folgen des Drogenkonsums geschätzt. Illegale Drogen waren damals bei Männern zwischen 25 und 44 Jahren in der Schweiz die häufigste Todesursache. Allein schon die Polizei erfasste im Jahr 1994 rund 400 plötzliche Todesfälle durch Heroin Überdosis. Heute sind diese polizeilich erfassten tödlichen Atemstillstände sieben Mal seltener geworden. Auch die drogenbedingten, tödlichen Folgen von Aids, Virushepatitiden (Gelbsucht) und bakteriellen Infektionen haben drastisch abgenommen. Allein im Jahr 1994 wurden in der schweizerischen Todesfallstatistik noch über 300 Todesfälle durch Aids bei intravenösen Drogenkonsumenten festgestellt; in den vergangenen sieben Jahren seit der Jahrtausendwende waren es sogar insgesamt viel weniger. In jüngster Zeit haben Todesfälle durch chronische Hepatitis C zugenommen und werden die Sterblichkeit der Konsumenten, die in den 90-er Jahren Drogen spritzten zunehmend bestimmen.
Die wichtigsten, bleibenden, körperlichen Schäden durch Konsum von Suchtdrogen
Schäden aus Konsumform und Lebensumständen
 Schäden bei i.v. Konsum
Schäden beim Rauchen
Plötzlicher Tod durch Überdosis
Gewalt & Unfälle
Schäden während der Schwangerschaft
Alkohol
--
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relativ selten
häufig
häufig
Nikotin
--
häufig,
Bronchitis, Lungenkrebs
sehr selten (Kleinkinder)
--
häufig
Heroin
häufig
häufig
häufig
selten
selten
Kokain
häufighäufigsehr selten
häufigmässig häufig
Benzodiazepine
häufig--
(in Kombination mit anderen Substanzen
häufig
--
Amphetamine
häufig
häufig
sehr selten
häufig
häufig
Cannabis
--
häufig,
Bronchitis
Lungenüber-
blähungen

--
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(nikotinbedingt)

Immer noch beeinträchtigen Sucht und Abhängigkeit die psychischen und sozialen Lebensbedingungen eines nicht kleinen Teils der Bevölkerung. Ein Leben unter der dauernden Wirkung von Suchtdrogen oder Entzug ist nicht nur ein individueller sondern auch ein schwerer gesellschaftlicher Verlust. Aber die körperlichen Schäden und tödliche Folgen wiegen schwerer.

Immer noch erzeugen die gesellschaftlich bedingten Umstände die Hauptrisiken des illegalen Drogenkonsums. Die Wahl und Details der Konsumform werden durch die Umstände geprägt. Und die Konsumform ist für Folgeschäden wichtiger als die Substanzwirkung selber. Bei den illegalen Drogen verursachen vorwiegend Form und Umstände des Konsums die Schäden. Zum Beispiel ist Heroin als Substanz selbst - im Gegensatz zum Alkohol - langzeitig wenig gefährlich für den Körper. Risiken durch Konsum von Suchtdrogen ergeben sich einerseits aus der Wirkung der Substanz selbst und andererseits aus den Konsumformen, aus der Art und den Umständen der Drogeneinnahme:
  • Risiken der Substanzwirkung
  • Risiken der Konsumform und Konsumumstände
Die wichtigsten, bleibenden, körperlichen Schäden durch Konsum von Suchtdrogen
Schäden als Substanzwirkung
 Hirn- und Nervenschäden
aus chronischem Konsum
Andere Organschäden
aus chronischem Konsum
Plötzlicher Tod durch Überdosis
Alkohol
häufig Polyneuropathie Verblödung, Delir, etc.
häufig: Leber, Herz, Muskeln, Haut, etc.
relativ selten
Nikotin
relativ häufig Schlaganfall
Gefässe, Herz
sehr selten (Kleinkinder)
Heroin
--
--
häufig
Kokain
relativ selten Schlaganfall
Herz, Gefässe, Muskeln
sehr selten
Benzodiazepine
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(in Kombination mit anderen Substanzen)
Amphetamine
relativ selten Schlaganfall
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sehr selten
Cannabis
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Sparsame Formen sind beim illegalen Konsum von Drogen in der Regel gefährlicher. Fixen, also die intravenöse Injektion, ist ergiebiger als das Rauchen von Drogen, aber eben auch gefährlicher. Rauchen ist immer noch kostengünstiger als das Schnupfen (Sniffen) oder gar das Kauen oder Schlucken. Ein hoher Drogenpreis begünstigt oder erzeugt problematische Konsumformen: Drogen werden eher gespritzt anstatt geraucht, oder zumindest eher geraucht als geschnupft, wenn der Preis hoch ist. Der Drogenpreis wird durch Illegalität und Repression in die Höhe getrieben. Die gefährlichsten Konsumformen verbreiten sich durch die Illegalität. Beim Fixen kumulieren alle Gefahren des Drogenkonsums am meisten.
  • Beim Fixen flutet die ganze Drogenmenge einer Spritze im selben Moment ins Gehirn und verursacht einen Atemstillstand. Beim Rauchen genügt ein einzelner Zug aber kaum um für einen Atemstillstand genügende Drogenmengen zu inhalieren. Die unbekannte Dosis führt in der Illegalität vor allem bei den Opiaten zu plötzlichenTodesfällen durch Überdosierungen und Atemlähmungen. Die Polizeistatistik der 'Drogentoten' erfasst praktisch nur die plötzlichen Todesfälle durch Opiatüberdosierungen (Heroin); die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist durch andere Folgen des Drogenkonsums (insbesondere Infektionen) wesentlich höher.
  • Beim Kokain kommen plötzliche Todesfälle selten und nur bei Konsumformen mit plötzlichem Wirkungseintritt (also beim Fixen und noch seltener beim Rauchen) vor: Nur wirklich exzessivste Dosen können allein kokainbedingt zu epileptischen Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Tod führen. Schlaganfälle und tödliche Herzrhythmusstörungen sind extrem selten und zudem wenig von der Dosis abhängig. Wenn Kokainisten von 'Überdosierungen' sprechen, meinen sie meist harmlose, vegetative Symptome: Kalter Schweiss, Schwindel, Herzrasen und Angst.
  • Sowohl beim Alkohol als auch bei den Opiaten und Benzodiazepinen (Rohypnol, Valium, Seresta, Temesta, Dormicum etc.) sind Überdosierungen eine akute Gefahr und Ursache von plötzlichen Todesfällen durch Atemstillstand. Bei den allermeisten plötzlichen Todesfällen der Polizeistatistik sind legale und illegale Drogen (meistens Benzodiazepine, Alkohol und Heroin) todesursächlich beteiligt. Plötzliche Todesfälle durch Überdosierungen sind sowohl Folgen der Form und Umstände des Konsums als auch der Substanzwirkungen.
  • Fehlendes Wissen, Angst und Hetze führen in den illegalen Szenen zu schlechter Injektionstechnik. Durch neben die Venen gespritzte Drogenlösung quillt das Gewebe auf. Blut und ungelöste Streckmittel führen darin zu Entzündungen, es sammelt sich Eiter und es bilden sich Abszesse. Aus diesen Eiterbeulen können bakterielle Eitererreger (Strepto-kokken & Staphylokokken) weggeschwemmt werden und an Herzklappen, in den Lungen, im Gehirn und anderswo tödliche, septische Krankheiten auslösen.
  • Ansteckung mit den Gelbsuchtviren HBV, HCV, HDV und dem Aidserreger HIV sind todbringende Folgen der Illegalität. Der gemeinsame Gebrauch von Spritzen, Nadeln und Löffeln ist eine vermeidbare Hauptgefahr des Drogenkonsums. Obwohl die Fixer wegen der Aidsgefahr lernten, nur ihre eigenen Spritzenbestecke zu benutzen, konnte sich HCV, der Erreger der C-Hepatitis, noch in den 90-er Jahren epidemisch ausbreiten. Die Ursache war das Teilen und gemeinsame Aufziehen einer injizierbaren Drogendosis aus einem Löffel. Fast alle intravenösen Drogenkonsumenten sind heute mit HCV, dem Erreger der C-Hepatitis angesteckt, nur sehr wenige mit HIV.
  • In Zürich wurden in den illegalen, offenen Szenen auf den untersten Stufen der illegalen Markthierarchie nicht selten Kleinhändler mit überquellenden Umläufen an den Fingern und vielen anderen schmierigen Eiterherden gesehen. Diese auf der Szene ‚Schleppscheisse' oder ‚Schleppeiter’ genannte Impetigo contagiosa kann sich epidemisch ausbreiten; infizierte Kleindealer verkaufen mit ihrem Stoff quasi auch ihre Eitererreger. Unter anhaltenden Kokainkonsum ist Impetigo besonders häufig zu sehen. Kokain erzeugt oft Juckreiz und im Extremfall einen Epizoonosenwahn: Auf der obsessiven Suche nach Insekten und Würmern auf und in der Haut werden die eitrig schmierigen Geschwüre überall verteilt. Auch aus diesen Eiterinfektionen kann eine gelegentlich tödliche Sepsis (Blutvergiftung) entstehen.
  • Die Reinheit des Stoffs ist in der Illegalität nicht gewährleistet. Fremdkörperreaktionen und Vereiterungen werden durch unlösliche, mit den Drogen injizierte Verunreinigungen gelegentlich begünstigt. Zum Strecken verwendeter Talk, Borax, Milchpulver oder Ähnliches löst sich schlecht, kann leicht erkannt werden und mindert den Marktwert auch im Gassenhandel drastisch. Solche unlösliche Stoffe sind gelegentliche Ursachen von Blutarmut durch Hämolyse.
    Im illegalen 'Kokain' finden sich nebst Kokain meist andere 'Caine': Lokalanästhetica wie Lidocain, Xylocain, Procain, Benzocain aber auch adrenerge Stoffe, Ephedrin, Coffein, Phenylpropanolamin etc. Diese Substanzen ähneln in der Wirkung, aber auch in den substanzbedingten Gefahren dem Kokain sehr. Strichnin wurde in konfiszierten Drogen noch nie gefunden, obwohl es international in vielen Szenen immer wieder paranoid vermutet wird. Zum Strecken verwendete Substanzen im illegalen Stoff werden als krankmachende oder gar todesursächliche Faktoren allgemein weit überschätzt.
  • Sniffen kann schwere Schleimhautschäden, Zerstörung der Nasenscheidewand und Die 'Koksnase' ('Stinknase', Ozaena) des chronischen Sniffers kann fürchterlich stinken. Der Patient sagt, er rieche nichts mehr; der Doktor riecht es schon beim Eintreten des Patienten ins Sprechzimmer. Die Nase ist dann zu einem mit Eiterklumpen gefüllten, verstopften Sack im Gesicht geworden. Aus diesem Eiterreservoir können schwere Lungenentzündungen oder durch Verschleppung über die Blutbahn eine Blutvergiftung und Herzklappenzerstörungen resultieren.
  • Ausser bei den Benzodiazepinen (Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Rohypnol, Seresta, Lexotanil, Dormicum etc.) kann der mütterliche Konsum aller aufgeführten Drogen in der Schwangerschaft theoretisch Entwicklungsstörungen beim Embryo und Fötus verursachen. Mangelgeburten und Frühgeburten, erhöhte Krankheitsanfälligkeit und erhöhte Sterblichkeit der Kinder sowie spätere Verhaltensstörungen sind vor allem durch Nikotin und Alkohol häufiger als allgemein vermutet wird. Mehrfachgebrauch verschiedener Drogen, schlechte Ernährung und Infektionen sind für die Neugeborenen von Heroin-, Kokain-, Alkohol- und Amphetamin-Konsumentinnen die wichtigsten Risiken und Belastungen aus den mütterlichen Lebensumständen. Sowohl durch die Substanzwirkungen selbst und noch mehr durch die Umstände des Konsums kann Drogenkonsum Schäden an den Nachkommen verursachen.
  • Tödliche Strassenverkehrsunfälle und andere rohe Gewalteinwirkungen infolge illegalen Drogenkonsums sind selten. Für das Fahren unter Drogen ist das Kürzel FUD gebräuchlich; gemeint sind dabei alle die Wachheit verändernden Drogen und Medikamente ausser Alkohol. Todesfälle bei FUD werden in einem Einzugsgebiet mit 2,2 Mio Einwohnern durch das Institut für Rechtsmedizin Zürich in 1-3 Fällen jährlich festgestellt.
  • Kokain kann selten zu plötzlichen Todesfällen meist infolge ischämischer Erkrankungen (Herzinfarkt, Hirnschlag) führen. Von 1985-1994 wurde Kokain in der Schweiz nur in 4 Fällen als mittodesursächlich angesehen.
  • Amphetamine und ähnliche Substanzen wie MMDA und MDMA (Ecstasy) sind hierzulande sehr selten Ursache von Todesfällen durch cardiale oder cerebrale Arteriospasmen mit ischämischen Folgen und bei Ecstasy durch Hyperthermie (Überwärmung) und Ex-siccose (Austrocknen).
  • In den 70-er Jahren sind vereinzelte tödliche Unfälle und Tötungsdelikte im LSD-Rausch bekannt geworden.
Aus dieser Aufstellung wird ersichtlich, dass die Umstände des illegalen Konsums von Drogen die Ursache der meisten dauernden Schäden und Todesfälle darstellen. Die meisten Schäden und Todesfälle liessen sich vermeiden. Es darf dabei auf keinen Fall vergessen werden, dass der legale Konsum von Nikotin und Alkohol immer weitaus mehr Menschen das Leben kostet, als der Illegale Konsum von Drogen. Beim Alkohol wirken vor allem substanzbedingte Langzeiteffekte tödlich. Nikotin ist sowohl durch die Konsumform Rauchen in den Atemwegen schädlich als auch durch alleinige Substanzeffekte am Herz-Kreislaufsystem. Legaler Drogenkonsum führt meist erst nach dem 50. Lebensjahr zum Tod; illegaler Drogenkonsum tötet immer noch oft früher.

Ein Leben mit Drogen ist ein Leben, nichts weniger. Die meisten Suchtmittelabhängigen meistern ihr Leben mit der Sucht einigermassen gut, trotz widrigster, nicht direkt suchtbedingter Umstände. Auch psychiatrische und psychosoziale Folgen des Konsums von illegalen Drogen wie Sucht, Abhängigkeit, Kontrollverlust und soziale Deklassierung sind nicht ausschliesslich Substanzeffekte, sondern werden auch durch Konsumumstände erzeugt oder verstärkt.
  • In der Illegalität gefährdet der Drogenpreis durch den Beschaffungsdruck die soziale Stabilität über Verschuldung, Kleinkriminalität und Prostitution aber auch über Stigmatisierung, Verlust von Wohnung, Arbeit und Vereinsamung. Durch Illegalität und Ausgrenzung ranken sich gegen den Kern der Gesellschaft gerichtete Mythen um den Konsum von geächteten Drogen, Konsumenten verstehen sich tendenziell als Teil einer Gegenkultur und der gesellschaftlich Zusammenhalt wird belastet oder sogar gefärdet.
  • Jede Sucht verengt den Horizont des Bewusstseins und schränkt die Breite der Interessen ein. Unter dem Einfluss von suchtpotenten Drogen erscheint dem Konsumenten nichts und niemand so wichtig wie die Droge. Drogenabhängigkeit und Sucht engen die Möglichkeiten ein, Befriedigung finden zu können. Nur noch das Suchtmittel verspricht dem Abhängigen Lust und bald bringt das Mittel nicht einmal mehr Befriedigung sondern nur noch Linderung der Entzugsbeschwerden. Das Belohnungssystem an der Basis des Grosshirns wird durch eine Sucht so korrumpiert, dass im Vergleich zum Suchtmittel andere Reize kaum noch das System stimulieren können. Das Belohnungssystem regelt unsere Wünsche, Triebe und unser ganzes Streben und Wollen. Wir alle können aber in Sucht und Abhängigkeit versinken und uns auf der ständigen Suche nach dem Suchtmittel verlieren.
  • Der Schaden eines jahrelangen Lebens im Wattepanzer von Heroin oder Methadon aber auch das Leben unter der Käseglocke von Cannabis wird oft unterschätzt. Wer mit 13 oder 17 Jahren begonnen hat täglich Cannabis zu rauchen, wird mit 35 oder 45 Jahren feststellen, dass sie oder er wesentliche Entwicklungsschritte verpasst hat, da sie unter der ständigen Wirkung von THC einfach nie wichtig erschienen sind. Selbstverständlich schaffen viele den Gymnasialabschluss trotz täglichen und schon morgendlichen Joints. Aber nach einigen Jahren ist auch für noch so begabte Junge die Energie nicht mehr ausreichend, um den einengenden Fesseln der Sucht genügend Substanz entgegen setzen und um die Fundamente für ein reichhaltiges Leben legen zu können. Viele Heroinabhängige und jahrelange Methadönler scheinen wie im Alter des Beginns ihrer Abhängigkeit stehen geblieben zu sein: alte Backfische und greisenhafte Pubertierende.
  • Nicht nur während Drogen im Körper vorhanden sind, sondern durch Anpassungsvorgänge im Gehirn (Adaptation, Toleranzbildung) auch beim Fehlen des Suchtmittels hat die Sucht den abhängigen Menschen im Griff. Um Entzugsbeschwerden zu vermeiden sind vor allem Heroin- und Alkoholabhängig gezwungen, fast alles nur Denkbare zu tun oder zu erdulden. Der süchtig machende Effekt durch unangenehme Entzugssymptome spielt für die Abhängigkeit nur eine kurzzeitige Rolle. Teilweise und geringe Entzugssymptome dauern aber gerade bei ehemaligen Heroinabhängigen viele Monate und viele Patienten haben ein dauerhaft gestörtes Körperempfinden und schlecht fassbare Beschwerden, welche sie als Folge des langjährigen Drogenkonsums begreifen. Die Rückanpassung des gesamten Systems glückt möglicherweise nur teilweise. Vielleicht sind die Leute aber nur älter geworden und haben dies vorher im dauernden Drogenrausch, Stress der Drogenbeschaffung oder Krankheiten nicht bemerkt.
  • Opioide wie Heroin, Morphin, Codein oder Methadon machen nicht nur high und süchtig sondern mindern die Libido, machen sogar impotent, vermindern die Schmerzempfindung, wirken leicht antidepressiv und antipsychotisch, verursachen in stabiler Dosierung plötzliche heftigste Schweissausbrüche, machen Schlafstörungen und Albträume aber auch Verstopfung und gelegentlich Appetitlosigkeit oder vermehrten Hunger auf Süsses. Diese Effekte sind alle reversibel, d.h. verschwinden nach dem Entzug. Entzugssymptome beim Absetzen von Opioiden sind Durchfälle, Bauchkrämpfe, kalter Schweiss, Zittern, Nasenlaufen, Schwäche, Unruhe, Beinkrämpfe, Angst und Depressionen. Ein plötzlicher, sogenannter kalter Entzug (cold turkey) wird als existentielle Bedrohung erlebt.
Auch nach vielen Jahren vermindert eine weitere genügend hochdosierte und regelmässige Methadoneinnahme die Folgen der Opioidabhängigkeit am besten: Die Versuchung zum Beikonsum von Heroin bleibt gering und eine Heroinüberdosis ist nicht möglich. Gefährlich wird es erst, wenn die Methadondosis ungenügend ist oder wenn Sie das Methadon nicht mehr täglich oder gar nicht mehr nehmen. Die Gefahren von nicht opioiden illegalen Drogen können allerdings auch unter Methadon nicht ausgeschlossen werden.

Bleibende Schäden der langjährigen Methadoneinnahme sind kaum bekannt. Vielleicht am ehesten ein Problem ist die Osteoporose (Knochenschwund), welche durch eine hormonelle Fehlregulation im Hypothalamus entsteht. Osteoporose wird aber viel mehr durch Alkohol, Übergewicht, Virusinfektionen oder andere Medikamente verursacht.

Auf der neurologisch psychischen Ebene bleiben nach langjähriger Opioidabhängigkeit subtile Veränderungen im Belohnungssystem und anderen durch Endorphine gesteuerten Nervensystemen. Nach Opioidentzug bleiben werden minimale oder ausgeprägtere Empfindungsstörungen gegenüber Schmerzen, Wärme oder Kälte, der Sexualität sowie Schlafstörungen und veränderte Darmbeweglichkeit häufig beobachtet.
  • Kokain: Keine Droge erzeugt Kontrollverluste bei allen Menschen. Die meisten Kokainkonsumenten haben objektiv wenig Probleme mit ihrem Konsum. Mit steigender Dosis und Frequenz des Konsums treten allerdings depressive Reaktionen, Paranoia und Erschöpfungszustände auf und eine nicht kleine Minderheit der Konsumenten hat grosse Probleme. In einer ersten Phase erzeugt Kokain ein rauschendes Stärke- und Glücksgefühl. Manche Kokainkonsumenten können vermeintlich besser hören und sehen; und sie sehen Dinge und Zusammenhänge, welche sonst nicht zu sehen wären. Und das kann sich in einer zweiten Phase gegen sie selbst wenden; sie fühlen sich bedrängt und gar verfolgt und sie wissen nicht wohin und können auch nicht einfach mit Schlafen abschalten. Und es kann in einer dritten Phase endlich in regungslose Hoffnungslosigkeit umschlagen. Spätestens in diesem depressiven Moment nehmen viele gerne erneut eine Kokaindosis. Die meisten Konsumenten können aber dann auch aufhören. Kokainabhängigkeit ist meist kein Dauerzustand sondern findet in rauschhaft exzessiven Episoden statt, welche durch Geldmangel, in ängstlich depressiver Erschöpfung, im Verfolgungswahn oder durch Gewaltexzess, im Spital oder Gefängnis enden können.
  • Alkohol wirkt in geringen Dosierungen (1 Glas) anregend und enthemmend, in höheren Dosierungen dämpfend, vermindert die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit, dämpft die Libido und das Schmerzempfinden, kann Übelkeit und Brechreiz auslösen, wirkt harntreibend und leicht appetithemmend. Chronischer Alkoholkonsum stört die psychische Ausgeglichenheit, kann aggressive Ausbrüche begünstigen und die Selbstkontrolle gefährden, kann zu Schweissausbrüchen führen, Schlafstörungen und Albträume machen. Diese Effekte sind alle reversibel.
  • Cannabis wirkt meist leicht beruhigend, verstärkt positive aber auch unangenehme Empfindungen, kann so zu gesteigertem Empfinden von Musik, Kunst oder Sex anregen, hemmt das Bedürfnis sich mitzuteilen, ist meist appetitanregend und führt bei chronischem Konsum oft zu Überempfindlichkeit gegenüber körperlichen Sensationen und so zu psychosomatischen Ängsten oder gar Krankheiten. Cannabis beeinträchtigt die neuropsychische Leistungsfähigkeit vor allem bei wenig gewohnten Konsumenten. Das Fahrverhalten kann unkontrolliert werden. Obwohl die individuelle und aktuelle Wirkung von Cannabis nicht abgeschätzt werden kann, wird von den Ämtern für Administrativmassnahmen im Strassenverkehr die völlige Abstinenz von Cannabiskonsum und das Fehlen von THC in Urinproben gefordert. THC kann aber im Urin bis zu einem Monat nach dem letzten Konsum noch nachgewiesen werden. Der Nachweis von Cannabis im Blut oder Urin ist kein wirklich geeignetes Instrument zur Sicherung der Fahreignung.
  • Die Unterscheidung von psychischer und körperlicher Abhängigkeit ist unsinnig geworden angesichts des immer genaueren wissenschaftlichen Verständnisses von Stoffwechselvorgängen in den Nervenzellen und der Anpassungen und Veränderungen von Gehirnstrukturen unter Einfluss oder Entzug von Drogen.
  • Das Suchtpotenzial von Nikotin wird in der öffentlichen Meinung drastisch unterschätzt. Nur eine Minderheit der abhängigen Raucher kann dauerhaft ihre Sucht beenden. Fast jeder Zweite bleibt nach ersten Versuchen an Nikotin jahre- oder lebenslang kleben. Nach ersten Versuchen macht Heroin jeden Dritten lange Zeit abhängig; beim Cannabis trifft die Sucht jeden Fünften und beim Alkohol jeden Achten. Eine Nikotinabhängigkeit kann schlechter dauerhaft beendet werden als eine Heroinabängigkeit. Jeder Dritte hört nach jahrelangem Konsum mit Rauchen auf. Heroinabhängige schaffen den dauerhaften Ausstieg nur in weniger als 5% der Fälle. Die Wirksamkeit von Entzugsbehandlungen ist bei den Opioiden nur kurzzeitig nachgewiesen. Behandlungen haben wahrscheinlich langzeitig kaum einen Effekt auf die Opioidabstinenz. Nikotinabhängigkeit ist zwar ebenfalls eine chronische Krankheit aber Ermutigungen und Hilfen zum Aufhören sind nicht selten erfolgreich. Eine Alkoholabhängigkeit wird weniger häufig dauerhaft beendet.