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Platzspitz CDE

Candida albicans, Hefepilz, Soor

Candida albicans ist der gemeine Hefepilz, der überall vorkommt und welchen wir für die Herstellung von Käse, Joghurt oder Brot brauchen.

Bei einer Immunschwäche können dieselben Hefepilze einen Soor verursachen. Dabei wuchern die Pilze im Mund am Gaumendach und den Schleimhäuten der Wangen, oder sie bilden ihre dicken weissen Beläge in Nasenhöhlen, Rachen und sogar den tiefen Atemwegen.

Cannabis

Cannabis ist das Harz der Hanfpflanze Cannabis sativa. Es enthält neben anderen Cannabinoiden die Substanz Tetrahydrocannabinol THC, welche leicht psychedelisch, dämpfend und appetitanregend wirkt und die Stimmung hebt. Die Suchtpotenz von Cannabis wird allgemein unterschätzt. → Cannabis, Infos aus der Praxis Capitol

CBT

Sogenannte Contingency Based Therapies CBT können den Konsum von Kokain bei Abhängigen vermindern. Die Nachhaltigkeit dieser Behandlungen und dauerhafte Kokainabstinenz wurden nie bewiesen. Der Effekt von CBT beträgt maximal 30%. Wie alle Psychotherapien benötigt CBT erhebliche Mittel an hochqualifiziertem Personal und ist deswegen sehr teuer. CBT ist nicht massentauglich, das heisst CBT ist keine strategisch wirksame Massnahme der Drogenpolitik gegen Probleme mit Kokain.
 

Coci

Coci ist der Slangausdruck für Kokain.

Cocisafe

Kokain kann kontrolliert inhaliert werden. Die umfassende Medizinalisierung des Drogenmarktes und ärztlich kontrollierte, gefahrenarme Konsumangebote müssen Flächen- und Nachfrage-deckend realisiert werden. Hier wird deshalb ein Kokainspray vorgeschlagen
→Cocisafe

Cocktail

Kokainfixer dämpfen die unangenehmen Effekte der nachlassenden →Kokainwirkung gerne durch den Beikonsum von beruhigenden Substanzen, wie Alkohol, Benzodiazepinen oder Heroin. Die letzten beiden Substanzen können zusammen mit Kokain gespritzt werden. Cocktails aus Kokain und Heroin sind besonders gefährlich: der Kokain bedingte Crash kann herausgezögert werden, die Suchtpotenz ist besonders hoch und die Zahl der Injektionen wird oft erheblich gesteigert.

Cocqeretten

Cocqueretten waren vom Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) hergestellte Joints/Zigaretten mit Waldmeisterkraut, welches mit 200 mg Kokain getränkt und getrocknet zum Rauchen abgegeben wurden.

In den ProVe-Versuchen des BAGs wurden Heroin und in einem sehr kleinen Rahmen auch Kokain in rauchbaren Zubereitungen angeboten: Sugaretten und Cocqueretten. Der medizinische Nutzen von inhalierbarem Heroin wurde in den Prove-Versuchen klar belegt. Der Nutzen von rauchbarem Kokain konnte nicht geklärt werden. Es gab Probleme mit der rauchbaren Trägersubstanz Waldmeisterkraut, welche zum Abbruch der Versuche mit allen rauchbaren Drogen führten.

Die Qualität der Durchführung und wissenschaftlichen Begleitung der Prove-Versuche mit rauchbarem Kokain war in jeder Hinsicht ungenügend. Es gab kein Versuchsprotokoll, keine definierte Datenerhebung und nicht einmal qualitativ nachvollziehbare Aufzeichnungen. Trotzdem zeigten die Versuche klar, dass Kokain zum Inhalieren für Süchtige hochattraktiv ist.

Kokain ist ja eine stark aktivierende Droge, welche stillsitzend in einem sterilen Abgaberaum konsumiert, nicht gerade den optimalsten Genuss erlaubt. Deshalb war es besonders eindrücklich, dass die per Los ausgewählten von Heroin und Kokain abhängigen Patienten, freudig die Gelegenheit wahrnahmen, in der völlig nüchternen Umgebung der städtischen Drogenabgabe-Poliklinik Lifeline die grauenhaft stinkenden Cocqueretten auf Waldmeisterbasis zu rauchen.

Die Entwicklung von medizinisch sicheren, inhalierbaren Kokainzubereitung ist heute vielleicht noch dringlicher als vor 25 Jahren. Die pharmakologische und medizinische Entwicklungsarbeit darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Das medizinische Know-how für eine medizinisch sichere Kokainabgabe ist heutzutage kaum vorhanden. Aber nur eine medizinisch sichere Abgabe kann im Rahmen von normalen gesetzlichen Marktordnungen, legal, eingeführt werden.

Drogen

Der Begriff Drogen bezeichnet hier Substanzen, welche psychotrop, also auf das Gehirn und die Psyche wirken. Die meisten Drogen machen abhängig, das heisst sie erzeugen eine Sucht.

Die Unterscheidung zwischen weichen und harten Drogen ist irreführend. →Cannabis macht nicht nur psychisch abhängig, sondern wirkt genauso körperlich am →Belohnungssystem wie alle anderen Suchtdrogen auch. Die Gefährlichkeit der meisten Drogen liegt in den Bedingungen ihres Konsums und nicht in der Substanz an sich. Die Risiken der verschiedenen Drogen und Konsumformen müssen spezifisch analysiert werden.

Drogenszene

Seit dem Sommer 1968 sassen auf den Treppen bei den Bootsstegen des Stadtflusses, an der Riviera der Limmat, bei schönem Wetter vielleicht hundert bis zweihundert junge Leute. Sie spielten Musik, lachten, sonnten, küssten sich und kifften gelegentlich. Einige wenige dealten und spritzten sich irgendwo im Verborgenen Heroin. Nach den Globuskrawallen vertrieb die Polizei in unregelmässigen Abständen die bunte Szene an der Riviera mit Gewalt. Die abhängigen Heroinfixer mussten sich weiterhin täglich irgendwie ihren Stoff beschaffen. Drogen zu dealen war immer der einfachste Weg. Die ersten Fixer waren jugendliche Aussteiger aus der 68-er Bewegung. Sie hatten meist einen gutbürgerlichen Hintergrund. Wenig später folgten tiefere Gesellschaftsschichten, die Schwachen und die Schwächsten.

Die Polizei wurde nach den Globuskrawallen 1968 mit Tränengas, Gummigeschossen und Wasserwerfern aufgerüstet. Die Riviera wurde gewalttätig geräumt. Drogenkonsumenten wurden überall in der Stadt konsequent vertrieben. Aber die süchtigen Kleindealer blieben auch nach jeder Vertreibung süchtig, und die Drogenszene sammelte sich an anderen Orten. Das Drogenkarussell begann sich zu drehen, ein böser Rundlauf durch Zürich. Plätze und Parks wurden von bewaffneten Polizeitruppen geräumt, gesäubert und einige Tage oder Wochen gesichert. Neue und immer jüngere Kunden wurden rekrutiert und der Markt wuchs mit der Logik des Schneeballeffekts.

Seit Ende der Sechziger Jahren wurden Drogenkonsumenten überall in der Stadt konsequent vertrieben. Dutzende von Restaurants, Bars und Clubs wurden wegen geringfügigen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz geschlossen. Die Drogenszene und der Drogendeal wanderte ab 1968 durch die ganze Zürcher Innenstadt: Schwarzer Ring, Odeon, Marökkli, Blow-up, Revolution, Riviera, Bellevue, Seepromenade, Lindenhof-Bunker, Hirschenplatz, Seefeld, Platzspitz, →Letten. Später metastasierte die Szene an die Langstrasse, machte Station in den Bahnhöfen von Altstetten, Affoltern, Oerlikon, Dietikon, Uster, Aarau, Olten und vermischte sich mit den Szenen von St. Gallen, Chur, Bern, Lausanne, Genf, Berlin. Jedes Mal, wenn sie vertrieben wurden und sich an neuen Orten festzusetzen versuchten, wurden neue Konsumenten von den süchtigen Kleindealern angefixt.

Jedes Mal, wenn sie vertrieben wurden und sich an neuen Orten festzusetzen versuchten, wurden neue Konsumenten von den süchtigen Kleindealern angefixt, ein Schneeballsystem. Die Repression gegen den Konsum und Handel mit Drogen wurde als Teil der polizeilichen Ordnungsaufgabe angesehen. Aber Ruhe und Ordnung sind Ziele, welche mit dem Ziel der Minimierung von Sucht und Drogen konkurrieren.

Drogentote

Als Drogentote werden in der Schweiz polizeiliche Feststellungen über plötzliche Todesfälle als Folge von Drogenkonsum erfasst. 1972 registrierte die Polizei in der Schweiz erstmals einen tödlichen Atemstillstand durch Heroin. Schon 1975 starben gemäss Polizeiangaben 52 Menschen an einer Heroinüberdosis. 

1994, auf dem Höhepunkt der Katastrophe, starben gemäss Sterberegister in der Schweiz fast 1‘000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums (→Artikel in der NZZ vom19.12.1996). Drogenkonsum war bei Männern im mittleren Lebensalter die häufigste Todesursache. 400 Menschen starben an einer Überdosis von Heroin; 300 Drogenkonsumenten starben an Aids, etwa 200 an den Folgen einer chronischen Hepatitis und Duzende an eitrigen Infektionen, Gewalt oder drogenbedingten Unfällen. Die Umstände des Konsums war die Hauptursache der meisten drogenbedingten Todesfälle. Fast alle Todesfälle wären vermeidbar gewesen.

Echyma

Echymata werden bei Drogeninjektionskonsumenten an den Leisten und am Hals gesehen. Solche arteriovenöse Wundernetze sind schwammartige Knoten oder Einziehungen, welche durch oft wiederholtes Anstechen einer grossen, neben einer Arterie liegenden Vene entstehen können. Durch auslaufendes Blut und Eiterbakterien entzündet sich das umliegende Bindegewebe und quillt auf. Wenn sich keine Eiterhöhle, kein abgekapselter →Abszess, bildet, wenn die Entzündung chronisch, quasi auf kleiner Flamme, im Bindegewebe weitermottet, spriessen feine Gefässe aus den Arterien und Venen und bilden darin ein Wundernetz. Fixer finden mit ihrer Nadel dort in der Lochschwäre zunehmend einfacher einen bluthaltigen Zugang.

Echymata sind immer mit Eitererreger infiziert. Fast immer haben Junkies mit einem Echyma auch eine Herzklappenentzündung, eine Endokarditis. Früher oder später sterben heroinabhängige Injektionsdrogenkonsumenten daran fast immer. Fast immer breitet sich Eiter aus einem Echyma in der Leiste mit der Schwerkraft entlang der Venen nach unten aus. Am Fussrücken, den Knöcheln oder Unterschenkeln entsteht ein rot und eitrig geschwollenes Feuerbein, ein Erysipel. Vor den Schienbeinknochen brechen dann häufig prätibiale Ulcera auf, handflächengrosse Geschwüre, welche kaum noch abheilen.

Noch schlimmer trifft es Fixer, die in den Hals stechen und dort zwischen der jugulären Arterie und Vene ein Echyma entstehen lassen. Der mit Staphylokokken verseuchte Eiter läuft dann hinter dem Brustbeinknochen zwischen den beiden Lungenflügeln ins bindegewebige Lager von Herz und den grössten Adern des Körpers. Diese Eiteransammlungen nennt die Medizin Empyem.

„Ubi pus ibi evaqua: Wo Eiter ist, dort entleere“, sagten schon die Ärzte des Mittelalters. Oder ist der Spruch noch älter? Eiter muss immer aus dem Körper abfliessen, sonst vergiftet er ihn. Die Selbst-Heilkräfte des Körpers sind unglaublich. Mehr als einmal habe ich gesehen, wie sich der Eiter eines Mediastinal-Empyems sich durch das Brustbein hindurch selbst einen Weg ins Freie gebahnt hat.

Endocarditis

Eine Endocarditis ist eine eitrige Entzündung der Herzklappen. Beim Spritzen von Drogen können Bakterien mit dem Blut ins Herz gelangen. Meist sind es gewöhnliche Hautkeime Staphylokokken. Diese septische Infektion befällt früher oder später den rechten Herzteil (Rechtsherzendocarditis) fast aller Fixer. Von den Klappen des rechten Herzens streuen die Bakterien in die Lunge und machen dort Lungenentzündungen. Wenn die Lunge die Bakterien nicht mehr filtern kann, gelengen sie in den linken Herzteil, und von dort in den ganzen Körper und ins Gehirn.

Endorphine

Endorphine sind körpereigene Opioide. Sie binden an Opioidrezeptoren, so wie Morphin, Methadon und alle anderen exogenen Opioide. Endorphine sind eine Sorte von Botenstoffen des Nervensystems. Sie wirken auf Opioidrezeptor tragende Zellen im ganzen Körper.  

Entzug

Wenn kein Heroin oder Methadon mehr eingenommen wird, kommt der Körper auf Entzug. Das akute Entzugssyndrom dauert mindestens drei Tage: Breite Teller, das sind grosse Pupillen, Niessen und das Erwachen sexuellen Verlangens kündigen den Beginn des Entzugs an. Weniger angenehme Symptome setzen auch bald ein: Zittern, motorische Unruhe, Durchfall, Bauchkrämpfe, Schmerzen am ganzen Körper, Herzrasen, Angst und tiefste Verzweiflung, dass das nie ein Ende nehmen wird. Im akuten Entzug erwarten die opioiden Nervenzellen Heroin, aber das kommt nicht mehr. Die Nerven werden im Entzug für Opioide überempfindlich, da sie hohe Dosen gewohnt sind. Die körpereigenen Endorphine können die ausbleibende regelmässige Zufuhr von Opioiden nicht genügend kompensieren.

Das chronische Opioidentzugssyndrom ist weniger bekannt aber eine ganz offensichtlich verbreitete Krankheit. In unserer ärztlichen Praxis sahen wir wohl mehr als hundert Fälle. Andauernde schwerste Schlafstörungen, Unruhe, Getriebenheit, ständiges Frösteln, Durchfall, Reizdarm, schwere und schwerbehandelbare Depressionen. Alle vom akuten Entzug auftretenden Beschwerden können einzeln oder kombiniert über Monate und Jahre der Opioidabstinenz anhalten und nie mehr verschwinden. Meistens leiden diese Menschen nur an einem oder wenigen dieser Symtome. Am häufigsten beobachtet man in diesen Fällen die Symptome der Fibromyalgie: Schmerzüberempfindlichkeit der Glieder, Muskeln und Knochen. Die meisten Patienten leiden so stark, dass sie wieder mit Heroin oder sonstigem Opioidkonsum beginnen.

→Entzugsbehandlung

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