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Platzspitz FGH

Filterlifixer

Filterlifixer wurden die Injektionsdrogenkonsumenten am Platzspitz genannt, welche eine Art Stand mit einer Art Theke aufstellten. Ihre Kunden konnten sich dort ihre Dosis Heroin oder den Cocktail aus Sugar und Koks schussfertig machen. Der puderige Stoff wurde auf einem Kaffeelöffel mit Wasser und etwas Ascorbin vermischt und über der Flamme eines Feuerzeugs erhitzt. Dann wurde das flüssige Gemisch durch einen Zigarettenfilter in die Spritze aufgesogen. Mit einem bereitgelegten Gürtel wurde der Arm abgebunden. Im Stehen spritzten sich die  Kunden des Filterlifixers den Stoff in die beste Vene. Den mit geringen Resten von Heroin und Kokain durchtränkten Zigarettenfilter durfte der Filterlifixer, der Besitzer des improvisierten Standes, behalten. Der Filterlifixer spritzte sich die Stoffreste aus dem Sud der gebrauchten Filter. Filterlifixer waren ausnahmslos mit HIV und HCV infiziert. 

Fixer

Fixer ist ein Drogeninjektionskonsument. Die meisten Junkies fixen. Fixen heisst sich Drogen zu spritzen.

Fixerraum

Fixerräume, Gesundheitsräume, Toleranzräume heissen in Zürich heutzutage Kontakt und Anlaufstellen: K&A. Fixerräume ohne Anstrengungen für Recht und Ordnung sind gefährlich. Von illegalen Märkten, von rechtsfreien Räumen geht eine Gefahr für die Benutzer und die ganze Gesellschaft aus. Akzeptierende Drogenarbeit hat diesen Aspekt oft verdrängt. Das Tolerieren oder gar Akzeptieren von Sucht darf nicht auf Recht und Ordnung verzichten. Die Akzeptierende Drogenarbeit genügte und gefiel sich oft als revolutionäre Attitüde. Das erschwerte ihre gesamtgesellschaftliche Akzeptanz ungemein. Im AJZ der Achtziger Jahre war die Attitüde nicht einmal mehr revolutionär; die Stilisierung des Scheiterns, der verlorenen Freiheit war angesagt. 1980/81 im Fixerraum des AJZ und auf erst Recht später auf dem Platzspitz war die Sicherheit der Benutzer nicht gewährleistet. Auch für die ganze Gesellschaft entstand dadurch eine zunehmende Bedrohung. Der rechtsfreie Raum wurde zu Recht kritisiert.

1986 eröffnete die Stiftung Contact an der Münstergasse 12 in Bern das weltweit erste medizinisch gut organisierte Fixerstübli als «Antwort auf die Repression, Ausgrenzung und Kriminalisierung von Drogenabhängigen». Erstmals konnten dort Drogenabhängige geschützt, mit medizinischer und sozialer Betreuung unter hygienischen Bedingungen ihren mitgebrachten Stoff konsumieren. 

Flash

Beim Spritzen von Heroin oder Kokain gelangt die ganze Dosis in einem einzigen Bolus ins Gehirn. Durch das plötzliche Anfluten in einer hohen Konzentration beginnt die Wirkung der Drogen maximal und innerhalb von zwei bis drei Sekunden. Ein solcher Flash ist überwältigend aber für Ungewohnte auch gefährlich. Beim Heroinflash droht der Atemstillstand. Der ultimative Flash ist der tödliche, der ‚Goldene Schuss‘.

Mit gewissen Techniken beim Rauchen, zum Beispiel aus einer Alufolie (‚Chase the Dragon‘), kann ebenfalls ein Flash erzeugt werden. Die Gefahr der Überdosis ist weniger gross, da die starke Betäubung einen zweiten Atemzug mit Heroin verhindert.

Gewalt

Gewalt war auf dem Platzspitz weniger ein Problem als nach der polizeilichen Schliessung und in der Szene am Bahnhof Letten.

Gewalt gegen Frauen ist unglaublich häufig, meist unspektakulär, quasi normal. Gewalt gegen Frauen wird oft schlecht wahrgenommen.

Die Geschichte des Drogenkrieges in Zürich bleibt unverständlich, wenn man vergisst, wie viele Protagonisten eine Kindheit und Jugend in Erziehungsheimen verbracht haben.

Die fünfziger, sechziger und noch die siebziger Jahre waren um ein Vielfaches gewalttätigere Zeiten als heute. Man muss sich den überall lauernden aggressiven Mief und die normale Gewalt  vor Augen halten. Erziehungsanstalten für Jugendliche hiessen damals noch so. Auch an normalen Schulen waren Prügelstrafen noch normal. Das Hilfswerk Kinder der Landstrasse der schweizerischen Pro Juventute nahm randständigen Eltern bis 1973 die Kinder weg, als Verdingkinder wurden sie manchenorts noch wie Sklaven gehalten.

Die Heimkampagne der libertären 68-er Bewegung begann sich Ende der 70-er Jahre quantitativ auszuwirken. Durch Schliessung, Umstrukturierung und Neuorganisation der bisher gefängnisähnlich geführten Einrichtungen gelangte eine nicht geringe Zahl an Jugendlichen in eine prekäre, oft unbetreute Freiheit.

Haschgasse

Die Haschgasse befand sich auf dem Mattensteg am spitzen Ende des Platzspitzparks und am Sihlquai. In der Haschgasse wurden die „weichen Drogen“ Cannabis, Marihuana und Grass angeboten. Speed und Extasy kamen in Zürich erst nach der Schliessung des Platzspitz vermehrt auf den Markt.

HeGeBe: Heroingestützte Behandlung

Nach Abschluss der Pove-Versuche wurde der Begriff Heroin gestützte Behandlungen HeGeBe eingeführt. HeGeBe sind keine den illegalen, durch die Mafia kontrollierten Markt verdrängende, ärztlich kontrollierte Drogenabgabe. Heroin soll in den HeGeBe Psychotherapie und Sozialarbeit ermöglichen. Im HeGeBe wird die Heroinabgabe nur als unterstützendes Hilfsmittel für das Eigentliche und Wesentliche, nämlich die letztlich immer noch auf Abstinenz ausgerichtete Therapie angesehen. Der Nutzen und die Notwendigkeit dieser bevormundenden Begleitmassnahmen der Heroinabgabe aber sind keine wissenschaftlich bewiesenen Schlussfolgerung aus den Prove-Versuchen.

Die Heroinabgabe in HeGeBe-Polikliniken wird den Bedürfnissen der meisten Abhängigen nicht gerecht. Die restriktiven Richtlinien erzeugen Bedingungen, welche den meisten Heroinabhängigen kein normales Leben ermöglichen kann. Sie benutzen deshalb dieses Angebot nicht. HeGeBe ist eine Umdeutung der ursprünglichen therapeutischen und drogenpolitischen Ziele. Es ist kein Zufall: HeGeBe-Polikliniken haben ihr Potential nie ausgeschöpft und keine quantitative Wirkung entfaltet. Zu keinem Zeitpunkt erreichte die Heroinabgabe mehr als 3 Prozent der Süchtigen. HeGeBe ist ein Kunstgebilde mit einem normalen Leben feindlichen Teilnahmebedingungen. HeGeBe hatte und hat mit der wirklichen auch quantitativen Bewältigung der Probleme mit Drogen kaum etwas zu tun.vvv

Hepatitis, Gelbsucht, Gilb

Hepatitis ist die Entzündung der Leber. Sie macht eine Gelbsucht, medizinisch den Ikterus, eine Gelbverfärbung der Haut und der Schleimhäute. Besonders leicht zu sehen ist diese, in der Szene Gilb genannte Verfärbung im Augenweiss.

Eine Hepatitis wird meist durch Viren verursacht und tritt manchmal als Nebenwirkung von Medikamenten auf. Bei Drogenkonsumenten werden Gelbsucht als Folge von Infektionen mit den eigentlichen Hepatitis-Viren HAV, HBV und HCV beobachtet. Manchmal sind sie auch Zeichen der HIV-Infektion oder anderer Erreger.

Eine chronische Hepatitis kann zu Leberzirrhose, Leberkrebs und zum Tod führen. Eine chronische Hepatitis ist eine Krankheit, welche Folgen an vielen Orten im Körper (insbesondere Haut und Hirn) zeigen kann.

Spider naevi bei Leberzirrhose

Hepatitis A, HAV

Hepatitis A durch ist eine Schmier- und Schmutzinfektion. Ungenügendes Waschen der Hände oder Lebensmittel aber auch unsterile Spritzen und Nadeln können die Hepatitis A Viren HAV übertragen. Hepatitis A ist fast immer harmlos und heilt ohne Medikamente. Es gibt eine sehr wirksame Schutzimpfung. Sie kann mit der Impfung gegen Hepatitis B kombiniert werden.

Hepatitis B, HBV

Das Hepatitis B Virus HBV wird sexuell oder durch unsterile Spritzen und Nadeln übertragen. Hepatitis B heilt meist ohne Folgen. Aus einer chronischen Hepatitis B können aber eine Leberzirrhose oder Leberkrebs entstehen. Es gibt eine sehr wirksame Schutzimpfung. Sie kann mit der Impfung gegen Hepatitis A kombiniert werden.

Hepatitis C, HCV

Hepatitis C wird durch unsterile Spritzen und Nadeln oder sexuell meist durch Analverkehr übertragen. Dreiviertel aller HCV-Infektionen werden chronisch; langfristig drohen dadurch Leberzirrhose und Leberkrebs. Es gibt keine Schutzimpfung aber die chronische Hepatitis C kann heute technisch einfach und fast nebenwirkungsfrei durch allerdings sehr teure Medikamente geheilt werden.

Heroin, DAM, Diacethylmorphin, Diaphin

Heroin, DAM, Diacethylmorphin ist ein synthetischer Abkömmling von Morphium. Heroin ist ein Opioid aber strenggenommen kein Opiat, kein originaler Bestandteil von Opium.

Auf dem Platzspitz riefen die Kleindealer «Sugar» oder «Äitsch» (engl. H, wie Heroin) zum Verkauf aus. 

Es ist kein Zufall, dass Heroin die beliebteste Substanz für Opioidabhängige darstellt. Heroin hat für Fixer ideale Eigenschaften. Heroin kann bequem auch hochdosiert mit einer kleinen Spritze injiziert werden.

Warum? Heroin ist im menschlichen Körper eine Vorläufersubstanz zum eigentlich im Gehirn wirksamen Morphin. DAM, das Diacethylmorphin-Molekül Heroin, wird auf dem Weg zu den Nervenzellen vollständig zu MAM, Monoacethylmorphin und dann zum deacethylierten Morphin umgewandelt. Ins Hirn gelangt praktisch ausschliesslich Morphin: Nicht Heroin wird im Gehirn wirksam, es ist nur das Morphin.

Aber auf dem Weg ins Gehirn, im Blut provoziert Heroin keine Histaminfreisetzung. Es ist das Morphin, welches durch Histaminfreisetzung in den Blutmastzellen das unangenehme Nadeln oder Nageln erzeugt. Weil Heroin laufend zu Morphin verstoffwechselt wird, kennen alle Fixer das Nadeln auch ein bisschen vom Heroin. 

Hochreines Heroin ist als Pulver weiss und als Lösung helldurchsichtig. Heroin wird durch Licht langsam deazethyliert: Das Diazethylmorphin DAM verliert zuerst eine Azethylgruppe und wird zu Monoazethylmorphin MAM und dann die zweite Azethylgruppe und wird zu Morphin. MAM hat eine bräunliche Farbe. Gassenstoff ist «Brown Sugar», weil er mehr oder weniger viel MAM enthält.  

→ Merkblatt Heroin aus der Praxis Capitol (PDF)

Heroinversuche

Heroinversuche: Unter dem Namen «PROjekte zur VErschreibung von Betäubungsmitteln (ProVe)» führte das eidgenössische Bundesamt für Gesundheitswesen Mitte der 1990er-Jahre wissenschaftliche Versuche durch: Heroin, Methadon, Morphin und in sehr beschränktem Ausmass auch Kokain wurden ärztlich kontrolliert abgegeben und konsumiert.

Die Heroinversuche waren sehr erfolgreich. Die Versuchsteilnehmer reduzierten ihre gefährlichen und problematischen Verhalten drastisch. Sie wurden viermal weniger krank, sie wurden viermal weniger polizeilich auffällig, sie lebten so normal, wie es die sehr einschränkenden Bedingungen der Heroinversuche es erlaubten. Nach dem Ende der Versuchsphase wurden die Behandlungen dauerhaft weitergeführt. Niemals waren mehr als 3 Prozent der Opioidabhängigen in den Heroinbehandlungen. Die Heroinbehandlungen hatten keine quantitativ erhebliche Wirkung zur Verminderung der in den 1990er-Jahren extremen Drogenprobleme in der Schweiz.

Histaminreaktion durch Morphin

Morphin lässt Abertausende und Millionen von Mastzellen im Blut aufplatzen. Morphin zerstört die Zellmembran dieser Histamin haltigen Sorte weisser Blutkörperchen. Das Blut und der ganze Körper werden mit Histamin überschwemmt.

Morphin kann bei intravenöser Injektion durch diese plötzlichen grossen Histaminmengen schwere Nebenwirkungen machen. Sie sind einer allergischen Reaktion vergleichbar. Morphininjektionen werden nur in Dosierungen bis 20 mg einigermassen vertragen; wegen der massiven Freisetzung von Histamin, sind höhere Dosierungen unerträglich. Klassische Morphinisten spritzen sich täglich viel häufigere und viel kleinere Dosierungen als Heroinfixer.

HIV

Das menschliche Abwehrmangel-Virus, Human Immundeficiency Virus HIV, ist der Erreger von Aids. HIV kann von einer infizierten Mutter auf das Kind, sexuell vaginal oder anal, durch Blut und durch Blutreste in unsterilen Spritzen und Nadeln übertragen werden.

→ weitere Infos aus der Praxis Capitol

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